Donnerstag, 28. Oktober 2010

Rainy Perth

Wir sind endlich wieder in der Großstadt! Nach schier endlosen Kilometern durch entlegene Landstriche und Orte, die trotz gerade mal 100 Einwohnern tatsächlich Städte genannt werden und wenig gastfreundlich erschienen, haben wir nun die Zivilisation erreicht und bleiben für ein paar Tage in Perth, der Hauptstadt von Western Australia. Hier hat es uns von Anfang an richtig gut gefallen. Perth liegt an zwei Flüssen, Swan River und Canning River und außerdem direkt am Indischen Ozean. Wasser und Strände gibt’s also genug, aber der starke Wind und Wellengang zieht vor allem Surfer an. Perth verfügt über 1,5 Millionen Einwohner (also wahrscheinlich 3 x mehr als alle Orte zusammengerechnet, in denen wir bisher waren), besteht aus endlosen Vororten und die Innenstadt bildet einen Mix aus alt und neu, also historischen Häuschen aus dem 19. Jahrhundert und Hochhäusern mit Glasfassaden – oftmals sogar nebeneinander. Weihnachtsdeko wurde auch schon aufgehangen, aber irgendwie mag das nicht herpassen :-) (das Angebot von - für uns gewöhnungsbedürftigen – Weihnachtssüßigkeiten im Supermarkt wurde inzwischen tatsächlich um Lambertz-Lebkuchen aufgestockt!). Perth ist flächenmäßig 6 x so groß wie Berlin und verfügt über die höchste Millionärsdichte in Australien. Irgendwie merkt man das auch, denn so einen derart gepflegten Ort haben wir hier noch nicht gesehen und die Villen mit Meerblick sprechen für sich. Da Perth von der Sonne sehr verwöhnt ist (welcher Ort in Australien eigentlich nicht?), wird es „Sunny Perth“ genannt. Davon merken wir im Moment nicht allzuviel, es ist kühl (also um die 20 Grad) und regnerisch. Heute haben wir daher den Tag genutzt und waren im Western Australian Museum. Dort ist der Eintritt kostenlos und es ist soviel zu sehen, dass wir fast drei Stunden dort waren.

Hier die ersten Fotos von Perth:

Bevor wir Westaustraliens Hauptstadt erreichten, waren wir bei den Pinnacles und im Yanchep Nationalpark. Die Pinnacles sind Kalksteinsäulen in einer gelben Sandwüste, tausende an der Zahl und sehr beeindruckend.

Im Yanchep Nationalpark sind wir wieder einmal auf Koalas getroffen, aber dieses Mal um einiges näher als auf Magnetic Island. Daher konnten wir auch so einige Fotos schießen von den im Eukalyptusbaum hängenden Fellknäueln. Da Eukalyptus Giftstoffe enthält, benötigen Koalas ihre ganze Energie, um die ganzen Gifte abzubauen. Das macht sie so schläfrig, dass sie den ganzen Tag verpennen.

Ach ja... wir freuen uns gerade sehr über niedrige Benzinpreise. Diese liegen bei ca. 1,14 $ pro Liter, das sind ca. 80 Cent :-)

Viele Grüße nach Hause,
Mareike & Heiko

Sonntag, 24. Oktober 2010

Von Haien und Delfinen

Nach unseren ersten Schnorchelerfahrungen haben wir uns aus Exmouth verabschiedet und den Weg in den Süden weiter fortgesetzt (Route). Den nächsten längeren Stopp haben wir in Carnavon eingelegt und sind vier Tage dort geblieben. Carnavon ist vor allem für seine zahlreichen Obst- und Gemüseplantagen bekannt, bietet aber auch Zugang zum südlichen Ausläufer des Ningaloo Reef und zwar am so genannten Point Quobba, ca. 60 cm nördlich von Carnavon. Dies haben wir uns natürlich nicht entgehen lassen, da wir ja nicht wissen, ob wir hier noch einmal die Gelegenheit zum Schnorcheln haben. Meer und Strand haben sich abermals als traumhaft erwiesen: türkisfarbenes Wasser und weißer Sand. Die Korallen waren um einiges sehenswerter als an den vorherigen Schnorchelorten und auch die Fische bunter und zahlreicher. Einen spektakulären Anblick boten auch die so genannten Blowholes ganz in der Nähe. An der dortigen zerklüfteten Steilküste wird das Wasser durch Löcher im Boden nach oben gedrückt und bildet Fontänen.

Hier einige Fotos von Point Quobba und den Blowholes:

Unser nächstes Ziel war die Shark Bay, ein Küstenabschnitt, der sogar zum Welterbe erklärt wurde. Hier gab es vieles zu entdecken und unser erster Weg führte zu den Stromatoliden. Diese sehen im seichten Wasser aus wie braune Steine, sind aber schon tausende Jahre alt und verwandt mit Mikroben, die vor einigen Millionen Jahren für die Bildung der Erdmatmosphäre verantwortlich waren. Da die Stromatoliden sehr empfindlich sind, wurde ein Steg gebaut, um sie anzusehen zu können.

Wirklich wunderschön war schließlich der Shell Beach, der aus Millionen von kleinen Muscheln besteht.

Nach einer Nacht auf dem Campingplatz hieß es am nächsten Morgen, sehr früh aufzustehen und nach Monkey Mia zu fahren, wo die bekannteste Attraktion der Shark Bay zu sehen ist. Hier kommen (seit den 60ern Jahren) jeden Morgen mehrere Delfine zur Fütterung an den Strand und wir bekamen die Gelegenheit, diese aus nächster Nähe zu sehen. Einige Touristen wurden ausgewählt, die Delfine mit Fischen zu füttern, Streicheln war nicht erlaubt. Zwischenzeitlich waren 13 Delfine am Strand, sehr beeindruckend!

Am Strand vergnügten sich außerdem Pelikane, die natürlich auch was vom Fisch abbekommen wollten und sehr geduldig als Fotomodelle zur Verfügung standen.

Auf dem Rückweg machten wir noch einen kurzen Abstecher zum Eagle Bluff, einem Punkt hoch über dem Meer, wo all die Tiere, die in der Shark Bay vorkommen, regelmäßig zu sehen sein sollen, u.a. auch Haie, die dem Gebiet ihren Namen gegeben haben. Wir haben immerhin in weiter Entfernung einen Mantarochen und riesige Fischschwärme gesehen.

Nun befinden wir uns in Geraldton, einem sehr schicken Urlaubsort mit 20.000 Einwohnern und vielen hübschen Villen. Die Sonne scheint wieder rund um die Uhr, aber die starke Meeresbrise sorgt für Abkühlung. Auf dem Weg hierhin haben wir noch einen Abstecher in den Kalbarri Nationalpark gemacht und einige tolle Eindrücke sammeln können:


Viele liebe Grüße von Mareike & Heiko

Freitag, 15. Oktober 2010

Vom Minengebiet zur Korallenküste

In Broome haben wir die nach langer Zeit wieder ertragbaren Temperaturen und die Möglichkeit der Erfrischung im Meer genossen und sind fünf Tage dort geblieben. Dabei haben wir ein wenig die Stadt erkundet („Highlight“ war das örtliche Museum, das sogar im Lonely Planet empfohlen wird, aber eigentlich nur eine größere und ungeordnete Ramschsammlung ist) und natürlich auch Zeit am wunderschönen Strand verbracht. Hier einige der schönsten Fotos – das letztere sollen Fußspuren von Dinosauriern sein, die bei sehr niedriger Ebbe zu sehen sind:

Von Broome war unser nächstes Ziel der Karijini-Nationalpark. Dieser gilt als einer der schönsten Nationalparks Westaustralien und liegt wieder einige hundert Kilometer abseits der Küste. Lange Entfernungen sind wir ja nunmehr gewohnt und ersetzen den mangelnden Radioempfang durch Musik aus dem Laptop, wahlweise können dies auch die Flippers sein oder die Charts der 70er Jahre (inkl. Lachanfällen natürlich). In Karijini merkte man recht schnell die weite Entfernung vom Meer, die Temperaturen stiegen an und die Anzahl der Fliegen und Mücken ebenfalls. Interessant war auch die Anzahl der Kakerlaken beim nächtlichen Toilettengang. Leider konnten wir wieder einige sehenswerte Orte nicht anfahren, weil die Pisten zu holprig sind, aber schöne Eindrücke haben wir dennoch gesammelt:

Der Karijini-Nationalpark liegt innerhalb der Pilbara, einem eher unspektakulären Landschaftsstrich, der aber über unzählige Eisenerzvorkommen verfügt. Daher fuhren wir auf unserer Tour an so einigen Minen vorbei. Eine Nacht verbrachten wir im 4000-Einwohner-Ort Tom Price, der wohl nur aufgrund der Nähe zur sogenannten Rio Tinto-Mine existiert. Laut Wikipedia liegt das Durchschnittsalter der Einwohner hier unter 30 Jahren und das Einkommen über dem australischen Durchschnitt. Arbeit in der Eisenerzmine muss demnach gut bezahlt sein, wenn man dafür eine derartige Abgeschiedenheit in Kauf nimmt. Dies ist der Blick auf Tom Price:

Nach unserem Ausflug in die Einöde (tatsächlich kamen uns auf einer Landstraße auf einer Strecke von vielleicht 300 km höchstens 10 Autos entgegen) befinden wir uns nun wieder an der Westküste im Örtchen Exmouth, das den touristischen Ausgangsort zum Cape Range Nationalpark und der Coral Coast bildet. Es ist außerdem bekannt für seine Emus, diese laufen sogar auf den Straßen herum.

Die Coral Coast wurde so benannt, weil sich vor ihr das Ningaloo Reef befindet, das zweitgrößte Korallenriff Australiens nach dem Great Barrier Reef. Hier haben wir nun endlich die Gelegenheit genutzt, uns Schnorchelausrüstung zugelegt und sind auf Schnorchel-Tour gegangen. Der große Vorteil gegenüber dem Great Barrier Reef ist, dass sich die Korallen teilweise nur 30 m vom Strand entfernt befinden, so dass man keine Bootstour buchen muss. So konnten wir gestern unseren ersten Schnorchelgang an der Turquoise Bay (der Name ist Programm) durchführen. Irgendwie hatten wir uns buntere Korallen erwartet, aber eindrucksvoll war es trotzdem, nach Anfangsproblemen wie einigem geschluckten Salzwasser, zwischen Korallenstämmen, Seegurken, Seesternen und bunten, teilweise recht großen Fischen zu schwimmen. Einmal ist uns sogar eine Meeresschildkröte begegnet. Die sieht man hier im Moment übrigens recht häufig, da sie die Küste zur Paarung und Eiablage nutzen. Eine Unterwasserkamera hatten wir zwar nicht dabei, aber die Impressionen von Strand und Wasser lassen einige bestimmt neidisch werden – wenn man die momentanen Temperaturen in Deutschland bedenkt ;-)

Hier die zuletzt zurückgelegte Route.

Bis bald und viele Grüße aus der Sonne,

Mareike & Heiko

Dienstag, 5. Oktober 2010

Unsere bisherige Reiseroute

Damit unsere Leser ein besseres Verständnis dafür haben, wo wir uns eigentlich befinden und wo wir schon waren, findet Ihr hier unsere bisherige Route.

Montag, 4. Oktober 2010

Sengende Hitze, die ersten Jobs und ein Quiz

Vor nunmehr über einer Woche haben wir Katherine hinter uns gelassen und uns auf den Weg Richtung Broome an der australischen Westküste aufgemacht. Erste Zwischenstation war im Gregory Nationalpark, wo wir uns den sogenannten Gregory Tree angeschaut haben. Dieser ist ein Affenbrotbaum und wurde von August Gregory mit dem Datum versehen, als er mit seiner Expeditionsgruppe den Baum erreicht hat. Affenbrotbäume (oder Boab Trees) gibt’s in dieser Region reichlich, auf den nachfolgenden Bildern haben wir einige festgehalten:

Chubby vorm Affenbrotbaum

Twin Boabs

Gregory Tree

Bevor wir in die nächste größere “Stadt”, nach Kununurra (6000 Einwohner), kamen, haben wir noch einen Übernachtungsstopp im Keep River Nationalpark eingelegt und uns diesen mit einem Rundwanderweg erschlossen.

Kurz vor Kununurra (lustiger Ortsname, das stimmt, aber hier klingen einige komisch, das hat mit dem Aborigine-Ursprung zu tun) waren wir noch am Lake Argyle, der zweitgrößte Stausee Australiens, der wohl ca. 4 Mal so groß ist wie der Bodensee. Leider kann man nur einen kleinen Teil davon sehen, das eigentliche Ausmaß wird einem damit gar nicht so richtig bewusst.

In Kununurra schließlich führte unser erster Weg in eine Jobagentur und brachte direkt Erfolg, für jeden von uns gab es drei Tage Arbeit. Damit auch Ihr als Leser mal interaktiv werdet (die Kommentare flauen so langsam ab), haben wir nun eine Aufgabe für Euch. Ihr dürft raten, mit welchen Pflanzen wir uns im Bereich der Feldarbeit (ja, Ihr hört richtig :-)) befasst haben.

Heiko war als Fruitpicker tätig – Hinweis: Diese Früchte wachsen am Baum und ein Buch von Henning Mankell trägt diesen Titel.

Ich dagegen habe Unkraut gejätet – Hinweis: Diese Pflanze ist ein Baum und wird zur Parfumgewinnung eingesetzt.

Wer richtig rät, bekommt eine virtuelle Glückwunschkarte ;-)

Die Arbeit war jedenfalls nicht gerade spaßig, wenn man die täglichen Durchschnittstemperaturen von 43 Grad bedenkt.

Am Samstag haben wir schließlich Kununurra wieder verlassen und uns weiter Richtung Westküste begeben. Vorher waren wir noch im Mirima Nationalpark, haben den Aufenthalt aber aufgrund der Hitze sehr kurz gehalten und sind schnell wieder zum klimatisierten Auto geflüchtet:

Die zwei folgenden Nächte haben wir jeweils wieder auf Rest Areas verbracht. Dabei haben wir am ersten Abend wieder eine sehr nette Begegnung gemacht und Patrick aus Münster getroffen, der mit seinem Fahrrad namens Gisela die Welt umrundet. Ja, tatsächlich, sowas gibt’s ;-) Wir waren ganz schön fasziniert von seinem Vorhaben und es ist nicht das erste Mal, dass er mit seinem Fahrrad auf großer Reise ist. Zu seiner Weltumrundung ist er am 1. April in Münster gestartet und erstmal mit dem Fahrrad nach Düsseldorf zum Flughafen geradelt, von wo aus es nach New York ging. Dort hatte er übrigens den bisherigen Hitzerekord auf seiner Reise – mit 40 Grad im April! Den wird er hier jedoch recht schnell brechen :-) Von New York aus ging es schließlich quer durch die USA nach Los Angeles und von dort aus über Neuseeland nach Sydney. Seine Reise in Australien beendet er in Darwin, von wo aus er nach Hongkong fliegt und über China, Russland, Ukraine etc. (im Winter!!!) wieder nach Hause radelt. Als wir am Morgen von der Rest Area gestartet sind, kam uns sein Vorbild entgegen: ein Tunesier, der seit 12 Jahren um die Welt läuft!!!

Natürlich haben wir noch ein gemeinsames Foto mit Patrick geschossen:

(Patrick, Heiko, Gisela)

Auf der nächsten Rest Area gab es auch wieder nette „Gäste“. Diese Honeyeater sind uns heute morgen beim Frühstück ganz schön auf den Pelz gerückt, weil sie gehofft haben, einen Brocken abzubekommen:


Heute sind wir tatsächlich an der Westküste Australiens in Broome angekommen und sind schon positiv beeindruckt von diesem netten Urlaubsörtchen. Trotz wieder mal sehr hoher Luftfeuchtigkeit weht hier abends eine kühle Brise und wir haben heute gleich die Gelegenheit genutzt, um am Cable Beach (der tatsächlich schönste Strand, den wir bisher gesehen haben!) den Sonnenuntergang zu genießen. Seht selbst:

Viele Grüße aus Broome,
Mareike & Heiko